Isla Mujeres - Sonntagsausflug!

Obacht, viel Text weil ereignisreicher Tag. Hier die Kurzzusammenfassung: 
- mit Katamaran auf die Isla Mujeres gefahren 
- NICHT das Unterwassermuseum gesehen 
- Panne mit dem Golfkart gehabt (der Keilriemen...) 
- die Abgründe des organisierten, extremistischen Massentourismus kennengelernt 
- trotz All Inclusive Bändchen (würg) keinen Schluck Alkohol getrunken, das muss man nüchtern erleben, dann isses viel krasser!!  

So. Wer will, kann jetzt loslesen.

Diesen Sonntagsausflug auf die Isla Mujeres fasse ich am besten mit einem herzhaften fränkischen "Allmächd!" zusammen. Ein absurder, aber trotzdem schöner Tag und ich stelle fest, dass ich meine Definition von Touristenfalle überdenken muss. Das Ding ist nämlich: für die anderen, die dabei waren, war es keine Falle, sondern genau das, was sie wollten und erwartet haben. (Und für mich war es damit, nach meiner alten Definition, schon die zweite auf der Reise!! Die erste war das unsägliche Ding auf Rarotonga. Guter Indikator, für die Zukunft: wo neonfarbene Klebe-Armbändchen involviert sind, mache ich nicht mehr mit. Meine Handgelenke sind allergisch auf All-inclusive-Bändchen.)

Die Isla Mujeres ist eine Insel 13km nördlich von Cancún mit tollen Stränden, 12.000 Einwohnern (auf knapp 5 Quadratkilometern) und mindestens genau so vielen Golfkarts, die für die Touristen bereitstehen, die die Insel jeden Tag in Scharen besuchen.

Früh um kurz nach 8 ging's los, mit dem Shuttle an den Hafen von Cancun. "Fahrt lieber mit dem Katamaran", haben sie in der Sprachschule gesagt, "Schnorcheln im Unterwassermuseum, privater Strand und ein Abstecher nach Downtown, es gibt da so 'ne Tour..." 

Merke: Touren, die so angeboten werden, sind für Touristen. Und ich bin kein Tourist wenn ich reise. Zumindest kein Typischer und definitiv nicht das, was die Zielgruppe für touristische Tourenanbieter ist. Kein Typ für "All you can drink"-Ausflüge und auch nicht für "Most sexy on the boat"-Contests. Ich bin halt einfach kein Woohoo-Girl und schreie nicht gern im Chor mit anderen. 

Es hätte auch eine Express-Fähre auf die Insel gegeben, ich wollte aber wirklich gerne das Unterwassermuseum sehen und das ist eben ein Stopp auf der Katamaran-Tour. Das Museo Subaquático de Arte (MUSA) erstreckt sich über 400 Quadratmeter mitten im Meer zwischen Cancún und der Isla Mujeres. 

Der britische Künstler Jason de Caires Taylor hat einen Skulpturenpark unter Wasser geschaffen mit über 400 lebensgroßen Figuren in 6-10 Metern Tiefe. Die Figuren sind aus ph-neutralem Ton gefertigt, auf ihnen sollen sich im Lauf der Zeit Korallen ansiedeln und Lebensraum für Fische, Pflanzen und andere Meeresbewohner bieten. Die Idee dahinter ist, dass damit das Riff entlastet wird, das unter dem exzessiven Tauchtourismus doch etwas leidet. Gute Idee! Da will ich hin mit meiner Teletubby-Schnorchelmaske. 

Als Janina, meine Spanischkurskollegin, und ich auf den Katamaran kamen, hatten wir "Open Bar" Bändchen an den Handgelenken und waren etwas verstört, alle anderen hatten schon längst bunte alkoholische Getränke in Plastikbechern in der Hand und waren super happy. Laute Partymusik, ein Typ der ins Mikro brüllt und schon legt der Katamaran ab. 

Das Meer ist recht wild heute, es schaukelt und einige Leute werden seekrank, andere besoffen. Mit den Seekranken hatte ich Mitleid. 

Langer Rede kurzer Sinn: das mit dem Unterwassermuseum war nix. Wir sind rumgeschnorchelt aber da waren weit und breit keine Figuren zu sehen. Viele Fische, ja, aber keine Skulpturen. Das Meer war wild und wellig, es war gescheit anstrengend, Spaß hat's auch gemacht, aber halt keine Figuren gesehen. Naja, ab auf den Katamaran und weiter auf die Insel.

Wir legten an einem Steg vor einem Beachclub an, wo es Essen geben sollte. Gab's auch, war ok, der Strand war auch ok aber ich weiß, dass es auf der Insel viel schönere Strände gibt. 

Aber das ist ja erst der zweite Stopp, gleich geht's weiter nach Downtown. Man kann in Golfkarts über die Insel fahren, das hatte mir Amelie schon erzählt. Die Jungs vom Boot bieten das auch an, nochmal 30 US-Dollar extra. Zusammen mit Iñes, einer Portugiesin, die gerade ein Au Pair Jahr in Miami verbringt und übers Wochenende nach Cancun geflogen ist, lassen Janina und ich und überreden und mieten auch ein Golfkart, um einmal um die Insel zu fahren. 

Die Isla Mujeres ist nur 7km lang und nicht sehr breit, also auf geht's. Ich sitze am Steuer, wir fahren los und ich denk mir schon: das hoppelt gar nicht so beim Anfahren wie ich es von Golfkarts gewohnt bin und fährt insgesamt recht lahm und ruckelt sehr. (Verbrennungsmotor, kein Eleltromotor.) 

Nach ca 4km kracht und scheppert es, ich gebe Gas und nichts passiert und wir haben tatsächlich eine Panne. Mit dem Golfkart. An der blödesten Stelle auf der ganzen Insel, mitten in einem kurvigen Waldstück wo es vor Moskitos nur so wimmelt und der einzige Streckenabschnitt, wo kein Haus steht. Ich rolle rechts ran und ein paar Meter hinter uns liegt: unser Keilriemen. 

Zum Glück kommen nach ein paar Minuten andere Leute vom Katamaran, auch mit einem Golfkart, und wir fragen, ob jemand ein mexikanisches Handy hat, mit dem er bei der Golfkartvermietung anrufen kann. Zum Glück ist Carlos dabei (Obacht, der wird später aus anderen Gründen noch wichtig, er hat mir nämlich ein ewiges Rätsel gelöst) 

Carlos ruft an, erklärt auf Spanisch, was passiert ist und sagt uns, es kommt bald jemand um uns zu holen. 

Wir bedanken uns freundlich und winken, auch, um die Moskitos wegzuwedeln die in den folgenden Minuten mehr oder weniger erfolgreich versuchen werden, uns aufzufressen. 

Bald kommt auch tatsächlich ein junger Kerl von der Golfkartvermietung und wir denken, er holt uns ab, fährt uns zurück und wir legen uns an den Strand. Darum setzen wir uns auf alle Plätze im anderen Golfkart außer dem Fahrersitz. Und sitzen. Der Kerl von der Vermietung ist mit dem kaputten Kart beschäftigt und es dauert einen Moment bis er kapiert und wir kapieren, dass das unser Ersatz-Golfkart ist und er jetzt mit dem Ding alleine zurück bleibt. Auch mit ihm habe ich Mitleid, aber was soll man machen. Wir haben ja keine Zeit! Der komische Katamaran fährt um 15:20 weiter und wir müssen ja die Inselrunde schaffen um rechtzeitig zurück zu sein! 

Weiter geht die wilde Fahrt um die Insel, wir halten nur zwei Mal ganz kurz an, um Fotos zu machen und genießen die Fahrt, der Wind ist mangels Windschutzscheibe schön erfrischend und wir sehen die ganze Insel einmal im Kreis. Herrlich! Schöne Insel! Mit Vollgas fahre ich also mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit von ca. 20km/h zurück nach Downtown. Janina und ich sind uns einig: trotz (oder gerade wegen?) der Panne war das das Highlight des Tagesausflugs. 

Der Katamaran fährt jetzt nur noch ne knappe Stunde zurück nach Cancún und dann ist die Tour zu Ende. Puh! 

Die Rückfahrt hat dem Tagesmotto dann noch die Kronne aufgesetzt, es war ein Festival des Fremdschämens und ein Feuerwerk des schlechten Geschmacks. Inzwischen waren, dank Open-Bar-All-Inclusive-Bändchen, alle derart besoffen und hemmungslos, dass der drinking Contest nun wirklich nicht hätte sein müssen... und definitiv nicht nahtlos in den "Most sexy on the Boat Contest" übergehen müssen... die Männer haben dann also dann Bier geext, die Frauen mit den Ärschen gewackelt (vor allem die multikulturelle Junggesellinnenabschiedstruppe aus Los Angeles), plötzlich ging einer mit einer Tequila Flasche rum und hat, nicht sehr zielsicher, versucht, den Leuten Tequila direkt in den Mund zu schütten und dann haben alle zusammen Macarena getanzt. 

Wir saßen oben auf der Kapitänskabine und haben das absurde Kabinett der Kuriositäten bestaunt und versucht, das ganze Spektakel einigermaßen würdevoll zu ertragen. 



Zum Schluss noch ein Tipp, falls ihr mal an der Riviera Maya seid: macht NICHT die Katamarantour. Nehmt die Express Fähre in Cancun, erkundet die Inseln auf eigene Faust. Gerne auchimGolfkart,dasmacht Spaß und Sinn und lohnt sich, aber sucht euch einen Anbieter nicht direkt am Hafen aus sondern etwas weiter rechts (südlich) von Downtown/der Anlegestelle. Die Insel ist toll,derStrandimNorden ist der schönste und am südlichen Zipfel hat man einen tollen Blick auf die Skyline von Cancun. 
Das Unterwassermuseum nur bei wenig Wellen und ruhigen Meer besuchen, dafür muss man wohl leider eine Tour buchen... es gibt aber Boote, die einen einfach dort hinfahren, ohne Animation und Affentanz. 
Mit Delfinen schwimmen kann man übrigens auch. 
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